An diesem Wochenende haben wir es mit einer interessanten Mischung aus abgeschwächter Sonnenaktivität und ein paar geomagnetischen „Schluckaufen“ zu tun. Dass der solare Flux unterhalb der Marke von 100 liegt, ist kein Wunder, es zeigen sich gerade mal drei Sonnenflecken, mit einfacher magnetischer Konfigurierung. Knapp unter 100, das ist immer noch solide, aber eben niedriger als die Werte der letzten Woche. Die geomagnetische Aktivität ist überwiegend angeregt bis lebhaft (Kp 3-4), am Samstag muss noch mit vereinzelten stürmischen Abschnitten (Kp 5) gerechnet werden, ... ...am Sonntag wird sich die Unruhe abschwächen. Die Sonnenwindgeschwindigkeiten bleiben mit etwa 580 km/s erhöht, während die schnellen Sonnenwinde aus einem koronalen Loch an der Erde vorbeiziehen. Es wird erwartet, dass sie im weiteren Verlauf des Wochenendes nachlassen. Die Grenzfrequenz für 3000-km-Pfade kratzt tagsüber an der 28-MHz-Marke, bleibt aber oft eher im Bereich von 21 bis 24 MHz stabil. Und damit kommen wir zur spannenden Frage: Was geht wo an diesem Wochenende? 10 Meter zeigt sich eher launisch. Für Übersee-DX mag es kurze Öffnungen geben, besonders in Richtung Süden (Afrika/Südamerika), aber innerhalb Europas bleibt das Band wegen der mäßigen MUF oft zu. 15 und 12 Meter dürften an diesem Wochenende die Arbeitstiere der DXer sein. Sobald die Sonne aufgeht, bieten sie stabile Verbindungen. Trotz des SFI von knapp unter 100 sind DX-Signale hier oft noch kräftig, solange der Kp-Index nicht über 5 Einheiten schießt. 20 Meter ist wie gewohnt das zuverlässigste Band. Es ist fast rund um die Uhr offen, wobei die Signale in den Nachtstunden etwas schwächer werden. 17 Meter - der Geheimtipp für ruhigeres DX, wenn 20 m zu überlaufen ist. Die Bedingungen sind hier fast identisch zu 20 Meter, aber mit weniger QRM. 30/40 Meter sind tagsüber für den Nahverkehr (DL/EU) gut nutzbar. Nachts sind weite DX-Verbindungen möglich, allerdings zzt. mit einem erhöhten Rauschteppich, da die geomagnetische Unruhe (Kp 4-5) die Ionosphäre aufwühlt. Weiter unten auf der Skala, auf 80 und 160 Meter, macht sich die erdmagnetische Unruhe am stärksten bemerkbar. Die Dämpfung ist höher als üblich, und die Signale können stark schwanken (QSB/Fading). Noch ein paar Hinweise: Wer versucht, Stationen über die Pole zu arbeiten (z.B. Westküste USA oder Teile Asiens), wird feststellen, dass die Signale wegen der geomagnetischen Störung stark gedämpft oder verzerrt sein werden. Dafür ist im Augenblick die Chance, über Greyline-DX erfolgreich zu arbeiten, hoch. Besonders auf 30 und 40 Meter können jetzt im April in der morgens und abends tolle DX-Kontakte gelingen. Und: Wir sind noch etwa einen Monat von der Sporadic-E-Hauptsaison entfernt, schon mal auf 10 und 6 Meter die Augen und Ohren offen halten – erste vereinzelte Öffnungen sind im April keine Seltenheit. Kurzum: Vor allem für 15- und 20-m-Liebhaber wird gerade der Sonntag absolut brauchbar sein. Also, viel Erfolg beim Loggen und allen Kurzwellenfreunden einen störungsfreien Empfang, 73 de Tom, DF5JL vom HF-Referat des DARC / FWBSt RHB. Mit aktuellen Informationen von DK0WCY, SWPC/NOAA, NASA, USAF 557th Weather Wing, STCE/KMI Belgien, IAP Juliusruh, SANSA, WDC Kyoto, GFZ Potsdam, Met Office UK, DL1VDL/DL8MDW/DARC‑HF‑Referat.