Satelliten erleben „Orbitale Sommer“ und „Orbitale Winter“
von darc.de
Satelliten wirken auf den ersten Blick unbeeinflusst von Jahreszeiten. Wie die AMSAT in der aktuellen Ausgabe ihres News Service Bulletin (AMS-348) informiert, unterliegen sie jedoch ausgeprägten thermischen und energetischen Zyklen, die als "Orbital Summer" und "Orbital Winter" bezeichnet werden. Diese Phasen ergeben sich aus der Kombination von Erdposition, Sonnenstand und der jeweiligen Umlaufbahn. Im orbitalen Sommer befindet sich ein Satellit über lange Zeiträume vollständig im Sonnenlicht und tritt kaum oder gar nicht in den Erdschatten ein. Die Solarzellen liefern dabei kontinuierlich Energie, sodass die Batterien permanent vollgeladen sind. Gleichzeitig fehlt jedoch die kühlende Wirkung der Erdabschattung. Die Folge ist ein stetiger Temperaturanstieg, der insbesondere Batterien, Leistungselektronik und Strukturmaterialien stark belastet. Thermisches Management wird in dieser Phase zum kritischen Faktor für die Lebensdauer des Satelliten.
Der orbitale Winter stellt das gegenteilige Extrem dar. Hier verbringt der Satellit einen großen Teil – teilweise nahezu den gesamten Orbit – im Erdschatten. Die Solarzellen liefern nur wenig oder gar keine Energie, sodass der Betrieb fast ausschließlich von den Batterien abhängt. Gleichzeitig sinken die Temperaturen drastisch, weshalb interne Heizelemente notwendig sind, um empfindliche Komponenten vor dem Einfrieren zu schützen. Reicht die gespeicherte Energie nicht aus, kann es zu Systemabschaltungen oder irreversiblen Schäden kommen.
Diese beiden Phasen zählen zu den Hauptursachen für Satellitenausfälle und stellen eine zentrale Herausforderung für Entwickler und Betreiber dar – insbesondere bei kleinen Satelliten und Amateurfunkmissionen, bei denen Masse, Volumen und Energie stark begrenzt sind.
Die anschauliche bildliche Darstellung dieses Themas stammt aus dem TinyGS-Netzwerk, einer weltweiten Community von Bodenstationen für Kleinsatelliten. TinyGS sammelt Telemetrie- und Empfangsdaten von zahlreichen Missionen und macht solche orbitalen Effekte für Funkamateure und Satellitenbetreiber sichtbar und verständlich. Gerade durch reale Temperatur- und Batteriedaten wird deutlich, wie stark sich orbitaler Sommer und Winter auf den Satellitenbetrieb auswirken. Webseite des TinyGS Networks: https://tinygs.com/