Auslandskontakte des Ortsverbandes-Offenburg A11

Ende der 60er Jahre hatten viele Offenburger OM’s französische Gast Lizenzen. So hatte z. B. DJ3LT das Call F0EC/p. Das war zum Einen wegen der Grenznähe von Vorteil da man ja öfters mal ins Elsass fuhr, oder auch wenn man den Urlaub in Frankreich verbrachte. Durch die Einführung der CEPT-Lizenz ist dies nicht mehr erforderlich. Die F0 Rufzeichen verloren ihre Gültigkeit.


Wir versuchten damals mit den Partnerstädten von Offenburg in Kontakt zu kommen. Mit Weiz in Österreich und mit Borehamwood in England klappte es einfach nicht. Die OM’s die wir ansprachen zeigten kein Interesse. In Lons leSaunier unserer französischen Partnerstadt kam die Sache auch nicht in die Gänge. Wir fanden einfach keinen Ansprechpartner. Als Werner DJ3LT mit dem Offenburger Segelclub in den Jura fuhr, nahm er sein DL3PD-Handfunkgerät (Eigenbau 100 mW, AM) und eine zerlegbare HB9CV-Antenne mit. Das Treffen mit den französischen Seglern fand im Hoch-Jura am Lac de Chalain statt. OM Werner stellte seinen Segelfreund Peter, als Antennenhalter und Mast, mit der HB9CV-Antenne auf einen Felsblock und startete einen CQ-Ruf. Siehe da, es meldeten sich mehrere OM’s. DJ3LT lies sich von einem die Adresse geben. 20 Minuten später stand er vor dem verdutzten OM, Robert F1AIH und seiner XYL Francoise F1CQL. Der Beginn einer Freundschaft die bis heute andauert. Doch ganz so einfach war die Sache nicht. F1AIH fuhr mit DJ3LT zu F6APX Jean Pierre dem Präsidenten des Radioclubs Jura. Dieser war nicht nur Renault Generalvertreter für den Jura, sondern nebenbei noch Conseiller general du Jura (bedingt vergleichbar mit einem deutschen Kreisrat), außerdem Bürgermeister in seiner Heimatgemeinde Hautecour. Er zeigte sich zunächst sehr reserviert. Viel später erfuhren wir, dass er erst das Einverständnis des ehemaligen Leiters der Résistance eingeholt hatte, bevor die Verbrüderung ihren Lauf nehmen konnte.

Als Erstes besuchte uns Daniel F2ZC mit XYL und jüngster Tochter in Offenburg. Er nahm an den Feierlichkeiten zu unserem 20jährigen OV-Jubiläum teil. Unser Gegenbesuch in Lons war mit einem von DJ3ZA gestellten VW-Bus. Alfons von Deschwanden, VW-Händler, von uns nur AvD genannt, stellte uns für unsere Fahrten immer seinen Vorführwagen zur Verfügung. Wir mussten nur das Benzin bezahlen. Beim ersten Besuch übernachteten wir auf einem Campingplatz in Chilly-le-Vignoble bei Lons in einem Zelt. Natürlich war eine 2 Meter Funkstation mit Magnetfußantenne, ein KW-Transceiver Yaesu FT277 und eine Langdrahtantenne dabei. Die Stromversorgung wurde mit in die Diagnosebuchse des VW-Busses gesteckten Zeltheringen hergestellt. Ab da fanden regelmäßige Treffen zwischen unseren Vereinen statt. Jedes Jahr einmal im Frühjahr in DL und einmal im Herbst in F. Dabei wurden nicht nur Sehenswürdigkeiten angeschaut, sondern vor allem Winzergenossenschaften besichtigt und Restaurants getestet. Wir lernten auf diese Arte z.B. Pochouse bourguinonne, einen Fischtopf aus Süßwasserfischen und Aal, oder Süßwasserkrebse in Käserahmsoße kennen. Die Franzosen entdeckten dagegen Spargel mit Schinken, Kratzede,Sauce Hollandaise und Vinaigrette. Einmal wurde uns die Erzeugung des Strohweins erklärt. Das dauerte sehr lange, da das Französische dann immer noch ins Deutsche übersetzt werden musste. Im Hintergrund meinte Reinhard DK4GM, (heute HB9CAE) “Morgen steht in der Bildzeitung: Deutsche Reisegruppe in französischem Weinkeller verdurstet“.


Wir konnten zwar alle etwas Schul-Französisch. Aber für bessere Übersetzungen hatten wir zwei OM’s. Walter DJ5AM war in französischer Gefangenschaft gewesen und hatte sich dort umfangreiche Sprachkenntnisse angeeignet. Bob DF5UX war in der Schule so schlecht in Französisch, dass ihn sein Vater für ein Jahr nach Genf in die französische Schweiz zu einem Freund schickte, was offensichtlich sehr geholfen hatte.

Oft waren wir bei OM F8KV Maurice Goud de Beaupuis auf seinem Weingut in Chorey les Beaunes. Er, Senior unter des Funkern, zeigte uns stolz eine Drahtantenne zwischen zwei Schornsteinen und erzählte uns, damit habe ich die ersten Radiosendungen vom Eifelturm empfangen. Hinter seinem Haus hatte er einen kleinen Park mit einem wunderschönen Bäumen. Seine Vorfahren hatten bei der Geburt eines Kindes immer einen Baum gepflanzt. Interessant war auch die Beleuchtung in den Gewölbegängen des Weinkellers. an der Decke waren parallel auf Porzellanisolatoren zwei Drähte gespannt, ähnlich wie heutzutage bei Niederspannungs-Halogen- Beleuchtungen. An einer Glühbirne mit Fassung waren zwei Bügel befestigt. Diese Lampe wurde dann immer dort auf die Drähte gehängt und dahin verschoben, wo man Licht benötigte. Und das bei normaler Netzspannung. In Deutschland würden sich bei so etwas jedem Elektriker die Nackenhaare sträuben.


Ein Französich-Schweitzer-Funkertreffen fand in Les Rousses im Hoch-Jura statt. Wir hatten als Gewinn für die Tombola einen schön eingepackten Karton mit bei der Anfahrt gesammelten Maikäfern gespendet. Es gab ziemliche Aufregung, als der Gewinner auspackte und die Maikäfer zum Rundflug durch den Saal starteten.

Bei einem Gastro-Treffen im Hotel de l’Ain in Pont de Poitte gab es als Vorspeise Süßwasserkrebse in einer tollen Sahne-Käse-Soße. Wir schlugen voll zu und die Wirtin musste andauernd nachlegen. Irgendwann wurde ihr dies zu dumm. Sie ging in die Küche, holte den Kupferkessel, stellte ihn vor uns auf den Tisch und meinte, bedient euch einfach selbst.

Ein anderes Mal, in in einem Landgasthaus bei Orgelet, kam eine Verkehrstreife vorbei. Die Gendarmen begrüßten den Generalrat (F6APX) worauf sie dieser zum Dessert einlud. Sie parkten den Streifenwagen mit geöffneter Heckklappe so, dass sie am Funk nichts verpassten. Bei der Verabschiedung erzählten sie uns dann noch, wo sie jetzt hinfahren würden. Damit hatten sich spätere Kontrollen erledigt.

Oft machten wir am Nachmittag unser eigenes Ding und erkundeten den Jura und Umgebung auf eigene Faust. So hatten wir eine ausgiebige Weinprobe in den Gewölbekellern des Hospices de Beaune hinter uns und waren zu spät dran für das Abendessen mit den Lonsern. Da kam uns eine Ambulanz mit Blaulicht, die in dieselbe Richtung fuhr, gerade recht. Wir fegten hinterher und hatten, trotz unserer 185 PS, Mühe nicht abgehängt zu werden. Wir waren fast pünktlich am Ziel.

Zu damaliger Zeit gab es noch keine Autobahn in den Jura. Selbst die Nationalstraßen waren zum Teil noch nicht mit Leitlinien, Leitpfosten oder Leitplanken ausgestattet. Es war deshalb bei Nacht manchmal schwer zu erkennen, wo die Straße am Rand aufhörte und die Wiese oder das Ackerland anfing.


Bei einer nächtlichen Heimfahrt entspann sich deshalb einmal folgendes spasshafte Geschräch zwischen
DJ3LT und DJ5AM:

Fahrer: “Siehst du die Straße noch?“

Beifahrer: “Nein“

Fahrer: “Ich auch nicht.“


Einmal fuhr eine kleine Gruppe Offenburger OM’s übers Wochenende nach Lons le Saunier um Funkfreund Daniel F2ZC die Antenne zu reparieren. Daniel war Kriegsinvalide und konnte dies nicht selbst tun.

Manchmal nützte er seine Invalidität aber auch aus, indem er ein Schild GIG (grande invalide de Guerre) hinter die Windschutzscheibe seines Autos klemmte. Damit konnte er an den unmöglichsten Stellen, unbehelligt von der Polizei, parken. In Frankreich hat die Öffentlichkeit und auch die Polizei ein ganz anderes Verhältnis zu Kriegsinvaliden als in Deutschland. Ob der Besuch bei Daniel nun aus reiner Freundschaft oder ein klein wenig wegen der drei hübschen Töchter von Daniel erfolgte, ist nie so ganz klar geworden. Wir reparierten Daniel auch seinen Geloso-Sender. Wir bauten als Ersatz für die defekte Gleichrichterröhre, Silizium-Dioden für die Hochspannung ein. Durch diese modernere Gleichrichtung stieg auch die Leistung des Senders etwas an.

Daniel hatte nun Angst, über die in Frankreich damals erlaubten 100 Watt zu kommen. Wir lösten das Problem so, dass wir den Shunt für den Anodenstrom etwas veränderten. Es waren nun zwar mehr als 100 Watt, es wurden aber nie mehr als 100 Watt angezeigt und Daniel konnte wieder ruhig schlafen.

Bei einem unserer Besuche waren wir auf dem Flugplatz bei Courlaoux. Pierre F1AQE demonstrierte uns anschaulich, wie man einen Flugzeugmotor mit dem Propeller anwerfen kann. Zum Nachmachen für Laien nicht zu empfehlen, denn man muss dabei seine Finger sehr schnell in Sicherheit bringen.

Als die Lonser einmal in Offenburg waren, konnten wir ihnen Funk und Mobilfunk auf 2 Meter über Relaisstellen vorführen. In Frankreich waren Relais damals noch nicht erlaubt. Die Lonser taten sich daraufhin mit den Genfern zusammen und bauten im Gebirge, ein paar 100 Meter hinter der Grenze in der Schweiz eine 2 Meter Relais-Station. So entstand HB9G das heute noch besteht. Bei einem späteren Treffen wurden uns Dias vorgeführt. Sie zeigten, wie ein OM im Tiefschnee nach den davongeflogenen Rotorblättern des Windgenerators der Relaisstromversorgung sucht.

Auch die Kontakte zu Jean-Pierre F6APX hatte Vorteile denn bei ihm gab es Amateur-Rabatt beim Kauf eines Renault. Man musste allerdings das Auto richtig importieren, selbst durch den Zoll bringen und für Deutschland umrüsten. Das war nicht ganz einfach, denn dazu gehörte damals z.B. ein deutsches Typenschild, weiße Scheinwerferbirnen, andere Blinkerfarbe usw. Aber es lohnte sich trotzdem und einige Renault kamen so in unseren Ortsverband. Wenn es einen neuen Renault gab, wurde uns der natürlich sofort vorgeführt. Hier wurden von uns auch immer kleine Streiche ausgeheckt. Besonders OM Isenecker, DJ1HS hatte da Ideen. Als der R30 auf den Markt kam deponierte er eine Handvoll Schrauben unter der Fußmatte um später sagen zu können “die hatten wohl am Fließband nicht genügend Zeit um alle Schrauben rein zu drehen“. Bei der Vorstellung des Renault Fuego, platzierte er ein Schild “Ocassion“ hinter der Scheibe, was in dieser Form etwa “Sonderangebot, gebraucht“ bedeutet. Es führte zu großer Aufregung.


Als F6APX der Präsident bei einem Autounfall ums Leben kam waren selbstverständlich auch einige OM’s bei der Beerdigung. Seine gesamten Orden waren auf einem roten Samtkissen neben dem aufgebahrten Sarg ausgestellt. So erfuhren wir im Nachhinein, dass er neben allen anderen Posten und Ehrenämtern auch Ritter der französischen Ehrenlegion gewesen war.

Nach seinem Tod merkte man deutlich, was der Tod einer einzelnen Person und Persönlichkeit wie Jean-Pierre, so in der Folge bewirken kann. Die Kontakte zu unserer Partnerstadt wurden langsam weniger und seltener, bis sie ganz einschliefen.